LINOWIRAG.DE | Linoblog:
Komisches, Kritisches, Unerhebliches aus Lino Wirags Ein-Mann-Text-Bild-Werkstatt. Quasi täglich.

münchner notate

- eine stunde einkaufen simuliert
- ramersdorfer kirchl: "lieber panzerknacker, unser schatz ist leer! er wird 2x täglich geleert. bitte lasst ihn doch endlich in ruhe!" auf der richtigen seite stehen und trotzdem verloren haben // abt.: hilflosigkeit der seligen
- ein verkäufer preist im elektromarkt ein produkt an: das wird ganz groß, das habe ich schon bestellt, da warte ich nur drauf! // ­jemand fragt: was kostet das? 250? // der verkäufer stolz: 249!
- vivaldi, der aus den ukrainischen straßenmusikern kommt
- der krüppel, im takt der vier jahreszeiten hinkend
- brod erzählt, wie kafka bei ihm eingeladen war. brods vater schlief auf dem sofa, kafka, der ihn nicht wecken wollte, flüsterte: betrachten sie mich als einen traum!
- statt k.s tagebüchern zwei muji-stifte zu kaufen // das commitment erneuern

dödelerlebnisse in der antikensammlung:
1. "tonstatuette eines wanderschauspielers. der wanderstab in der rechten hand ist verlorengegangen." kein wort von dem riesigen, der unter dem bauch der figur hervorragt
2. fragmente einer lebensgroßen bronzestatue; arme, fuß, ein halbes gesicht, schließlich: ein würmliches (beschriftung) "gemächt". neol.: bronzeschlong
3. der geile satyr, mit der (beschriftung) "sichtbaren erregung"

- so tun, als seien wichtige emails gekommen
- ein hund wie ein störgeräusch

glyptothek
- das steinkind, auf dessen stirn eine rote marmorader erblüht wie ein ausschlag
- je länger hinsehen
- die klagende magd mit dem abgerissenen arm, der sich im imaginären fortsetzt, bis er schließlich in einer verstümmelten hand endet, die sich um den krugrand klammert. die spukichte präsenz der nichtanwesenheit, die verzweiflung so viel besser fasst als bemalter stein // auf einmal klebrige grünbeinhaftigkeit
- entrumpfung der steindirne, die in einer nische auf dem kopflosen freier reitet: die frau ohne oberleib vögeln
- die suche nach der kleinsten abweichung
- der schlafende faun: die gleiche schwulenästhetik wie millers "300"
- 4 stunden verlieren wie einen husten
- nicht die details, nur die spannungen sehen
- viertes dödelerlebnis: die pubertäre herme des demosthenes (angeblich kopie einer ehrenstatue), in deren schaft auf hüfthöhe ein dödel eingearbeitet ist. sofort leuchten antikische bespaßungsszenarien auf: mäzene, die ihren freunden einen jux vorführen, indem sie ein tuch fallenlassen (auch: die maya desnuda gegen die angezogene austauschen)
- erst jetzt verstehen, wie die steinmetze der antike die locken hinbekommen haben: durch ausbohren // auch: eine misslaunige agrippina, deren frisur aussieht, als hätte jemand einen schwamm auf ihren kopf gelegt
- zu fett fürs piedestal
- der saal mit den büsten: wie eine menschenmenge auf dem markt
- oder: die büsten blicken mit gleichmüden gesichtern nach osten // tote für sich
- marmor als der wirkungsvollste abklatsch
- der museumsshop verkauft wachstafeln und griffel als "römischen laptop"
- auf den postkarten nur die lächelnden

- bei einem vergleich immer auch das verglichene mit dem vergleichenden gleichsetzen und umgekehrt
- einen vergessenen gedanken auch wirklich loslassen können
- kafka, dem lit. passierte
- strenggenommen bietet ein tag gerade mal zeit für 20 brauchbare überlegungen

19.5.08 17:20
 


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