LINOWIRAG.DE | Linoblog:
Komisches, Kritisches, Unerhebliches aus Lino Wirags Ein-Mann-Text-Bild-Werkstatt. Quasi täglich.

Transit-Notate

Der leere Bus, auf dessen Leuchttafel "Dienstfahrt" angezeigt wird. Die Türe offen, der Fahrer fort. Ist ein Busfahrer nicht eigentlich auf Dienstfahrt, wenn er Gäste transportiert? Hbf Hildesheim, 10:32

Das Schild am Taxistand: "Fahrgäste bitte hier Einsteigen". Die Schokoladenwerbung: "Robert ist Dunkle Voll-Nuss-Fan". Die kleinen Schreibschludrigkeiten, die das schludrige Denken verpetzen. Hbf Hannover, 11:02

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13.5.08 01:44


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rom, hässlicher platz

auf der stromhäuschenswand
dieses gedicht:

si tu es amante de foot fetish
visitante
http://yahoo.groups.com/groups/footfetish
11.5.08 19:18


PROSANOVA: die Vorschau

Jahre, die ein Affe braucht, um Prosanova zu organisieren: 4
Bananen, die Prosanova kostet: 5.231
Zahl der Plakate, auf denen Cheeta als Spezialgast angekündigt wird: 1.200
So häufig wurde in Prosanova-Rezensionen das Wort „Affenstark!“ benutzt: 21
So häufig wurde in denselben Rezensionen „Lesemarathon“ benutzt: 21
So oft wurde „extrinsische Turbodesensibilisierung“ benutzt: 0

Menschen, die durchschnittlich in der Toilettenschlange standen: 15
Menge der Flüssigkeit, die abzugeben war: 0,7 l
Durchschnittliche Wartezeit: 12 min 4 s
Druckkoeffizient: 10,28 s/ml
Prozentzahl der Besucher, die stattdessen in den Kanal gepinkelt haben: 37
Was durchschnittlich auf die Untertasse der Putzfrau gelegt wurde: 1 Bananenscheibe

Wie oft Chr. Kracht während seiner Lesung in der Nase bohrte: 4
Menge der Popel die er dabei zutage beförderte: 2
Zahl der Zuschauer, denen nicht entging, dass Kracht die Popel anschließend in den Mund steckte: 287

Blindenhunde auf dem Gelände: 1
Kopfläuse auf dem Gelände: 372
Ameisen auf dem Gelände: 59.227

Die 10 am häufigsten gehörten Sätze
  1. Sie liest so sensibel, wenn sie betrunken ist
  2. Ist das eine Toilettenschlange am Kanal?
  3. Christian Kracht trinkt mein Koks.
  4. He, du bist auf meinen Diskurs getreten.
  5. Prosanova ist ja der schlechteste Kalauer seit „zum Bleistift“
  6. Hast du irgendwas von Jörg Albrecht verstanden?
  7. Die Festivalzeitung schreibt schon wieder „Lesemarathon“.
  8. Signier meine Brüste, Steffen Popp!
  9. Kannst du mir mal eine Banane leihen?
  10. Schau mal, eine Zisteeeeeeeeeeeeeeee

11.5.08 17:41


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Kordelhut, Ex Omnibus unum: Ich beschließe zu handeln. Das Handy in der hohlen Hand; meine Finger wählen die Nummer wie auwendig. 05121-4711. Tutu. Tutu.
- Geschmackspolizeistelle Moritzberg.
- (flüstend) Ein Notfall! Neben mir steht ein Kerl, der gegen die ästhetischen Überzeugungen der Menschheit verstößt.
- Wo sind Sie bitte?
- Im 5er-Bus, kurz vor der Haltestelle Goldener Löwe.
- Unternehmen Sie nichts, wir sind sofort da.
Am Wartehäuschen warten sie auf uns. Sie zwingen die Fahrgäste, einzeln durch die Vordertüre auszusteigen. Der Kerl mit dem weichen Hut und der Kordel (ich nennen ihn im Stillen Martin Kordelic) versucht, sich zwischen zwei Schulmädchen in Strickpullovern zu drücken. Aber eine Beamtin (sie trägt ein plissiertes Abenkleid von Dior) legt ihm die Hand auf die Schulter. Ihre Nägel sind schwarz.
- Würden Sie bitte mitkommen?
- Ich habe nichts getan, sagt er mit weinerlicher Stimme, die bösartig klingen soll.
- Sie wissen ganz gut, was sie getan haben, sagt die Beamtin und betäubt ihn mit einem Spritzer aus ihrem Flakon. Im Gehen sagt sie zu ihrem Kollegen: - Es fehlt auch noch ein Knopf an seinem Überzieher.
Bushaltestelle, 12:32

Gatter, Gitter, Gutter:
Schwimm, ruft der Kaschube mit dem Dattelblick. Die Vier haben einen der Bauzäune, der die Besucher von der Zisterne auf dem Festivalgelände fernhalten soll, aus seiner Bodenstütze gehoben. Eine der Metallplatten, mit denen wir die Zisterne vor drei Wochen abgedeckt haben, fehlt. Die Vier stehen auf den Betonrändern der Zisterne und starren hinab. Schwimm doch, schwimm, ruft wieder der Kaschube, er drückt die Worte um den Hals seiner Pfeife herum. Die anderen schweigen, ein weißhaariger Kerl mit Augenbrauen aus Stopfwolle nimmt einen Schluck aus seiner Bierflasche. Er trägt einen weißen Hut mit einer Kordel und schwäbelt, als er jetzt ebenfalls "Geh, schwimm schon" ruft. Der Dritte ist ein Nachtmahr aus Goyas Kabinett, eine Groteskfigur mit Glubschaugen und fransigen Flatterohren. Aus seinem Mund quellen Buchstaben aus Holz, immer wieder das R, das R. Sie prasseln auf seine Schuhe, einige fallen hinab in die Zisterne. Keiner von ihnen wirkt beunruhigt. Der Vierte bin ich, jetzt, da ich neben Grass, Walser und Ranicki stehe und hinab in die Zisterne blicke. Ich sehe Handke im dunklen Wasser. Er hat den Mund leicht geöffnet, sein Schnurbart glänzt feucht und kalt. Die Hände treiben neben seinem Körper, in der Rechten liegt träge ein Büschel Lorbeer, in der Linken ein Zweig Weihrauch. Da öffnet Handke die Augen, sie schimmern aus dem Dunkel der Zisterne wie österreichisches Bergkristall. Mutter, mach Dir keine Sorgen um mich, ich werde weltberühmt, ruft Handke, die Worten zerbrechen dröhnend an den Zisternenwänden. Dann ist er verschwunden, das Wasser liegt klar und alt.
Außenbereich, 02:12
10.5.08 19:29


Schon wieder ein Skizzenbuch voll




















8.5.08 21:56


Neuerscheinung:

"Das liebe Buch" der tollen Cartoonisten Dirk Pietrzak (Autor), Stephan Baumgarten (Autor), Denis Metz (Autor), Steffen Gumpert (Autor), Miguel Fernandez (Autor), Christian Habicht (Autor), Michael Holtschulte (Autor), Thomas Sausen (Herausgeber) und L.W.

 


8.5.08 20:12


Sog. Medienticker

Dass es für Pathos-Reportagen der Marke Jammer und Schaudern ("Die Nacht, in der zwei Jungen kokeln und neun Berliner sterben") samt Sätzen aus dem Creative-Writing-Lehrbuch ("Der eine, klein und schmächtig, der andere mehr als einen Kopf größer, proper. In der Hand des Großen klickt ein Feuerzeug, immer wieder. Für Sekunden sieht man das Abbild des Jungen: streichholzlange Haare, ein volles Milchgesicht mit Knubbel-Nase, schmalen Augen und vollen Lippen.") jetzt schon den Axel-Springer-Preis gibt, wundert niemanden mehr wirklich, oder? Volles Milchgesicht. Beweis

8.5.08 20:12


Schreibstoff: Zeit

Ohne diesen Stoff keine Texte. Für eine durchschnittlich schlechte Erzählung (Sie verlässt ihn, er kriecht bei seinen Eltern unter, bis ihn schließlich eine Reise nach Südamerika daran erinnert, was ihm im Leben wirklich wichtig ist: sein Goldfisch. Er sucht für sich und den Fisch eine neue Wohnung mit feuchten Wänden) benötigt ein Autor etwa 380 MIN. weiter ...
6.5.08 21:05


Pizzazwerge etc.

... wartet jetzt mit einer wunderschönen 18-seitigen Leseprobe [2 Mb] im Netz auf.
4.5.08 15:42


Literaturbetrieb

Dass auch das Lit.bizz peinlich ahnungslose bis ahnungslos peinliche Züge annehmen kann, beweisen in diesen Wochen die Causa Hörisch vs. Müller (so dünkel- wie oberlehrerhaft) und die FAZ-Schmockinis Kämmerlings bzw. Jungen, die (Kämmerlings) weder Ahnung von Kunst bzw. (Jungen) von den Arbeitsbedingungen zeitgenössischer Autoren haben.
3.5.08 11:48


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Alle hier veröffentlichten Texte und Bilder: © Lino Wirag



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